Geschichte der Tragödie

Lienz-Trimmed

Sergej Korolkoff “Die Auslieferung der Kosaken in Lienz”

Im Mai-Juni 1945 wurde das gemütliche österreichische Städtchen Lienz, im malerischen Drautal gelegen, umgeben von schönem Waldgebirge, am Zusammenfluss der wasserreichen Alpenströme Drau und Isel gelegen, Zeuge des schrecklichen Dramas des russischen Kosakentums.

Gemäß dem Vertrag von Jalta hatten sich die britischen und amerikanischen Alliierten verpflichtet, der Sowjetunion alle Personen auszuliefern, die zum Zeitpunkt 01.09.1939 Sowjetbürger waren. Die Alliierten lieferten bereitwillig dazu auch den Großteil der sog. “Alt-Emigranten” und deren Kinder aus, die keine Sowjetbürger waren.

Am 2. Mai verkündete die Kosakenverwaltung den Erlass über den Rückzug nach Österreich (Kärnten und Osttirol) zwecks ehrenvoller Kapitulation gegenüber den Engländern. An diesem Tag kamen die Engländer in das Drautal und nahmen die Kapitulation entgegen. Die Kosaken lieferten so gut wie alle Waffen ab und wurden auf mehrere Lager in der Lienzer Umgebung verteilt.

Am 28. Mai wurden die Engländer wortbrüchig und lieferten unter Berufung auf eine Schein-Konferenz ca. 2.300 Kosaken-Generäle und Offiziere an die sowjetische Geheimpolizei NKWD aus.

Um 5 Uhr morgens am 1. Juni versammelten sich die Kosaken auf dem Hauptplatz im Lager Peggez zur Feier der Liturgie. Als die Hl. Kommunion begann (die Kommunion wurde gleichzeitig von 20 Priestern bei 3 Diakonen ausgeteilt), tauchten die britischen Militärs auf.

Казачье кладбще

Казачье кладбще в Лиенце

Plötzlich stürzten sich die Engländer auf die versammelten Kosaken. Schiessend, mit Bajonetten, Knüppeln und Gewehrkolben-Schlägen zerrissen sie die Vorderreihen der unbewaffneten Kosakenjunker, metzelten dabei alle um sich herum wahllos nieder – Kämpfer und Flüchtlinge, Greise und Frauen, die Kleinkinder in die Erde hineinstampfend.

Die Auslieferung der Kosaken dauerte bis Mitte Juni 1945. Zur dieser Zeit wurden über fünfundzwanzigtausend Kosaken und Kaukasier aus der Umgebung von Lienz in die UdSSR deportiert, darunter mindestens dreitausend alte Emigranten. Über viertausend Menschen flüchteten in die Wälder und Berge. Mehr als tausend sind während der Aktion der britischen Verbände am 1. Juni umgekommen.